Entwicklung des Seniorenschachs

Sicherlich sind in den letzten Jahrzehnten überall im Bereich des DSB Seniorenturniere in dieser und jener Form veranstaltet worden, die jedoch in keiner Weise koordiniert waren und als ausgesprochene Seniorenmeisterschaften nie gewertet worden sind.

Erste Anfänge des Seniorenschachs im lippischen Raum waren im Frühjahr 1981 zu verzeichnen. Zwei Senioren des SK Turm Lage, Mölling und Büchter, stellten folgende Überlegungen an: Passionierte Reiter oder Tennisspieler verbringen oft ihren Hobbyurlaub auf einem Reiterhof bzw. in einem Tennishotel. Kann man nicht für Schachsenioren etwas Ähnliches aufziehen und einen Seniorenschachurlaub ins Leben rufen? Gesagt - Getan! Und so entstand schon im Herbst 1981 die 1. Altherren-Schachfreizeit, die 10 Tage lang in Lemgo - Schwelentrup in der Bauernpension "Sonnenhof" zur Durchführung gelangte.

In der Folge wurden 1982 die 2. Schachfreizeit auch in Lemgo - Schwelentrup und sodann von 1983 bis 1985 die 3. bis 6. Veranstaltungen dieser Art mit großem Erfolg in Lemgo - Luerdissen, Gasthaus Pension Düsenberg ausgerichtet.

Die Teilnehmer, jeweils etwa 18-20 Senioren reisten aus der ganzen Bundesrepublik an und brachten z.T. auch ihre Ehefrauen mit. Ein großes schachliches Angebot erwartete die Teilnehmer: Pokalturnier, Hauptturnier, Blitzturnier, Simultanspiel und Mannschaftskämpfe gegen die Schachvereine Detmold, Lemgo und Bad Pyrmont. Ein reichliches Programm der Freizeitgestaltung, wie z.B. Wanderungen, Ausfahrten, Besichtigungen, Theaterbesuch, Preisskat, Preiskegeln usw., sorgte für den notwendigen Ausgleich, wobei die Teilnahme an den einzelnen Aktivitäten rein fakultativ vorgesehen war.
Es ist noch erwähnenswert, daß bei den Simultanspielen die dt. Damenschachmeisterin Gisela Fischdick und der dt. Blitzschachmeister K.- H. Podzielny jr. in Aktion traten, da die Väter dieser bekannten Schachgrößen als Teilnehmer etlichen Schachfreizeiten angehörten. Aus Krankheitsgründen mußte der Initiator und Organisator dieser beliebten Altherren-Schachfreizeiten, Schachfreund Büchter vom SK Turm Lage, die Fortführung der Veranstaltungsreihe abbrechen.

In Form von Schachfreizeiten für Senioren hat der Schachfreund Ernst Fleischer aus Berlin, der auch zweimal im Jahr Seniorenturniere ausrichtet, die Fortsetzung dieser Schachfreizeiten übernommen und bereits zum 3. Male in Aubuchen im Spessart jeweils im Monat September durchgeführt.

Aufgrund einer Anregung durch den Schachfreund Hans Frisch aus Schongau im Allgäu, wandte sich R. Büchter nach gesundheitlicher Besserung dem Vorhaben zu, Seniorenmeisterschaften in eigener Altersklasse durchzuführen. Mit dem 1. Vors. des SB/NRW, Herrn Erhard Voll, wurde Übereinstimmung erzielt, daß zur Teilnahme an diesen Meisterschaften keine Qualifikation oder hohe Elo- bzw. Ingo - Zahlen zu fordern seien, sondern daß jeder interessierte und noch aktive Senior an diesen Meisterschaften, die im Bereich des Breitensports angesiedelt sein sollten, teilnehmen kann.
Im Verlauf dieser Aktion wurde 1985 im SB Lippe die 1. Seniorenmeisterschaft durchgeführt, die in der Folge jährlich zur Austragung gelangte. Sieger dieser Bezirksmeisterschaften mit jeweils 7 bis 9 Teilnehmern waren:

1985 Schachfreund Rösch, SG Detmold
1986 Schachfreund Hecker, SK Turm Lage
1987 Schachfreund Dr. Becker, SG Detmold
1988 Schachfreund Büchter, SK Turm Lage

Auch in den Schachbezirken Bielefeld und Porta finden seit 1986 jährlich Seniorenmeisterschaften statt.
In der Folge wurden sodann seit 1986 auf der nächsthöheren Ebene, dem Schachverband Ostwestfalen - Lippe, Seniorenmeisterschaften ausgetragen, die mit Teilnehmerzahlen von 18-20 Senioren (jeweils dabei eine Dame) eine gute Besetzung auswiesen. Die Verbandsmeister von OWL waren:

1986 Schachfreund Erhard Schönberger, SV Verl
1987 (ausgefallen wegen Erkrankung des Organisators)
1988 Schachfreund Albert Köhler, SV Gütersloh

Um diese Seniorenmeisterschaften zu fördern und auszubauen, wurde R. Büchter im Schachbezirk Lippe zum Seniorenwart mit Vorstandsfunktion und im Schachverband OWL zum Beauftragten für Seniorenschach ernannt.
Von all diesen Aktivitäten im Seniorenschach wurde der SB/NRW laufend durch Übersendung von Berichten, Presseartikeln und Veröffentlichungen in der Schachzeitung "Europa - Rochade" informiert und die Bitte an den 1. Vors. herangetragen, doch auch auf Landesebene eine Seniorenmeisterschaft zu veranstalten.

Und nachdem, wie Herr Voll es treffend bezeichnete, stetes Bohren den Stein aushöhlt, fand das Anliegen des Seniorenwarts an oberster Stelle Gehör. Es wurden sodann die 1. und 2. offene Seniorenmeisterschaft von NRW jeweils im Oktober 1987 und 1988 in Brilon ausgerichtet. Sieger und Teilnehmerzahlen:

1987 Schachfreund Dr. Lange 32 Teilnehmer
1988 Schachfreund Dr. Hübner 42 Teilnehmer

Diese Seniorenmeisterschaften in der schönen Sauerlandstadt Brilon fanden in Seniorenkreisen großen Anklang, sodaß der SB/NRW diese Meisterschaften zur ständigen Einrichtung erklärt hat.

1989 wurde die 3. offene Seniorenmeisterschaft des Landes NRW im reizvollen Kurort Bad Meinberg ausgetragen. Die Ausrichtung hatte aus Anlaß seines zehnjährigen Bestehens der Schachclub Horn - Bad Meinberg übernommen.

Bei 53 Teilnehmer/innen gewann Dr. Lange mit 7 Punkten aus 9 Partien.

Aus Seniorenkreisen, unterstützt von Landesverbänden, war an den DSB der Wunsch herangetragen worden, doch auch auf höchster Ebene eine offene deutsche Seniorenmeisterschaft aufzuziehen. Diesem Ansinnen der Schachsenioren wurde nach einigem Hin - und - Her stattgegeben, und der DSB vergab erstaunlicherweise die Ausrichtung der 1. offenen deutschen Seniorenmeisterschaft an den Schachreisedienst Hoffmann GmbH in Völklingen.

Diese Firma Hoffmann wickelte daraufhin im Feb. 1989 in Bad Wörishofen die Meisterschaft mit einer Beteiligung von 52 Teilnehmern ab. Deutscher Seniorenmeister wurde Schachfreund Steglich aus Sindelfingen.

Aufgrund von erheblichen Protesten aus Seniorenkreisen und Schachverbänden an den DSB, diese Seniorenmeisterschaften doch in eigener Regie zu veranstalten, zog der DSB die Konsequenz und vergab die 2. offene dt. Seniorenmeisterschaft 1990 zur Durchführung an den SB/NRW. Aufgrund einer guten Organisationsleistung wurde die Ausrichtung wieder an den Schachclub Horn - Bad Meinberg übergeben. Der Club bemühte sich, wieder an die Vorjahresleistung anzuknüpfen.

Bei 110 Teilnehmer/innen gewann G. Abendroth Essen mit 8 Punkten aus 9 Partien.
Seit 1992 wird auch eine Seniorenweltmeisterschaft ausgetragen, diese allerdings wieder durch ein Kommerzielles Unternehmen.

Bitte setzen Sie sich daheim in den Schachvereinen dafür ein, daß an der Basis in allen Kreisen, Bezirken und Verbänden Seniorenmeisterschaften auf Breitensportbasis in eigener Altersklasse zur Durchführung gelangen. Es muß das erklärte Ziel der Senioren sein, Meisterschaften im Kreise gleichaltriger Schachsenioren anzustreben, da, wie die Erfahrung gelehrt hat, ältere Schachspieler den dynamischen, nervenstarken Jugendspielern trotz der vorhandenen langjährigen Erfahrungen schon aus rein physischen Gründen in keiner Weise mehr gewachsen sind.

Darum der Aufruf an alle noch aktiven Schachsenioren:
Fordert an der Basis und auf allen Ebenen Seniorenmeisterschaften in eigener Altersklasse!

Richard Büchter, Seniorenwart im Schachbezirk Lippe

Axel Friedrichsmeier und Klaus Brüggemann,
Schachclub Horn - Bad Meinberg